sagt er und stellt den Motor ab. Meine Augen verfolgen dabei gebannt jede Bewegung, wie er rasch den Schlüssel herum dreht, unter dem ein kleiner silberner Flaschenöffner baumelt, wie er seinen Gurt löst und sich mit der anderen Hand durchs Haar fährt, "hier ist die Aussicht verdammt schön, auch wenn du das jetzt noch nicht glaubst", versichert er. Und das stimmt, ich glaube es noch nicht. Dieses hell erleuchtete Parkhaus scheint, obwohl wir uns im obersten Stockwerk befinden und man ganz vom Rand aus über ein hohes Geländer über eine nahezu rabenschwarze Fläche hinweg bis zum Horizont blicken kann, nicht im Geringsten das zu sein - ein gemütlicher Aussichtspunkt.
Er scheint meinen skeptischen Blick zu bemerken und schmunzelt nur, dabei werden seine Augen von kleinen Lachfältchen umspielt, und das zaubert auch mir binnen Sekunden ein Lächeln ins Gesicht, "Na dann bin ich mal gespannt".
Außer uns ist das Parkhaus vollkommen verlassen, und auch sonst ist es still, bis auf die fernen Geräusche einer vielbefahrenen Straße. Neonleuchten an den Balken über uns senden gleißend helles Licht aus, eine Röhre flackert bedrohlich. Es nieselt leicht, und wenn man lange genug nach oben schaut, kann man einen Sternenhimmel erahnen.
"Hier lang", weist er mich an und geht auf einen der Pfosten zu. Nachdem er alles ausgiebig betrachtet hat, winkt er mich zu sich heran: "Komm, ich heb dich hoch!". Verblüfft starre ich den drei Meter hohen Pfosten an und frage mich, wie das in aller Welt das funktionieren soll.
"Ist das einsturzsicher?", frage ich schnell und ärgere mich im nächsten Moment über meine Engstirnigkeit. Ohne auf die Frage einzugehen umgreift er meine Hüfte und stemmt mich in die Höhe, bis ich schließlich den Balken an der Decke zu greifen bekomme. Mühsam ziehe ich mein Gewicht nach oben. Sportlich wie er ist, schafft er es ganz ohne Hilfe, sich, scheinbar kinderleicht, neben mich auf den Balken zu hieven.
Als wir uns aufstellen, erkenne ich, dass das Parkhaus gitterartig von diesen Eisenbalken überdacht ist. Hintereinander balancieren wir Schritt für Schritt. Dabei umgreift er wieder meine Taille und führt mich vor sich her. Und wir kichern und reden und erschrecken uns gegenseitig.
Am äußeren Rand setzen wir uns dann vorsichtig nebeneinander, ich befehle mir dabei selbst, nicht hinunter zu schauen. Von oben wirkt es eben deutlich höher als von unten.
Und er behält recht, da die Balken das grelle Licht der Neonleuchten größtenteils abschirmen sieht man von hier oben nicht nur über die vielen bunten Lichter der Stadt hinweg das sanfte Blau des Himmels, das am Horizont in ein dunkles Lila und schließlich in geheimnisvolles Schwarz übergeht, sondern auch einen atemberaubenden Sternenhimmel.
Er nimmt meine Hand in seine, und obwohl dies die wohl romantischste Atmosphäre ist, die ich je erlebt habe, bleibt es dabei. Und dieses Zeitlassen macht den Moment noch einzigartiger.
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