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Montag, 29. August 2016

"Wir sind da",

sagt er und stellt den Motor ab. Meine Augen verfolgen dabei gebannt jede Bewegung, wie er rasch den Schlüssel herum dreht, unter dem ein kleiner silberner Flaschenöffner baumelt, wie er seinen Gurt löst und sich mit der anderen Hand durchs Haar fährt, "hier ist die Aussicht verdammt schön, auch wenn du das jetzt noch nicht glaubst", versichert er. Und das stimmt, ich glaube es noch nicht. Dieses hell erleuchtete Parkhaus scheint, obwohl wir uns im obersten Stockwerk befinden und man ganz vom Rand aus über ein hohes Geländer über eine nahezu rabenschwarze Fläche hinweg bis zum Horizont blicken kann, nicht im Geringsten das zu sein - ein gemütlicher Aussichtspunkt.
Er scheint meinen skeptischen Blick zu bemerken und schmunzelt nur, dabei werden seine Augen von kleinen Lachfältchen umspielt, und das zaubert auch mir binnen Sekunden ein Lächeln ins Gesicht, "Na dann bin ich mal gespannt".

Außer uns ist das Parkhaus vollkommen verlassen, und auch sonst ist es still, bis auf die fernen Geräusche einer vielbefahrenen Straße. Neonleuchten an den Balken über uns senden gleißend helles Licht aus, eine Röhre flackert bedrohlich. Es nieselt leicht, und wenn man lange genug nach oben schaut, kann man einen Sternenhimmel erahnen.
"Hier lang", weist er mich an und geht auf einen der Pfosten zu. Nachdem er alles ausgiebig betrachtet hat, winkt er mich zu sich heran: "Komm, ich heb dich hoch!". Verblüfft starre ich den drei Meter hohen Pfosten an und frage mich, wie das in aller Welt das funktionieren soll.
"Ist das einsturzsicher?", frage ich schnell und ärgere mich im nächsten Moment über meine Engstirnigkeit. Ohne auf die Frage einzugehen umgreift er meine Hüfte und stemmt mich in die Höhe, bis ich schließlich den Balken an der Decke zu greifen bekomme. Mühsam ziehe ich mein Gewicht nach oben. Sportlich wie er ist, schafft er es ganz ohne Hilfe, sich, scheinbar kinderleicht, neben mich auf den Balken zu hieven.

Als wir uns aufstellen, erkenne ich, dass das Parkhaus gitterartig von diesen Eisenbalken überdacht ist. Hintereinander balancieren wir Schritt für Schritt. Dabei umgreift er wieder meine Taille und führt mich vor sich her. Und wir kichern und reden und erschrecken uns gegenseitig.
Am äußeren Rand setzen wir uns dann vorsichtig nebeneinander, ich befehle mir dabei selbst, nicht hinunter zu schauen. Von oben wirkt es eben deutlich höher als von unten.
Und er behält recht, da die Balken das grelle Licht der Neonleuchten größtenteils abschirmen sieht man von hier oben nicht nur über die vielen bunten Lichter der Stadt hinweg das sanfte Blau des Himmels, das am Horizont in ein dunkles Lila und schließlich in geheimnisvolles Schwarz übergeht, sondern auch einen atemberaubenden Sternenhimmel.
Er nimmt meine Hand in seine, und obwohl dies die wohl romantischste Atmosphäre ist, die ich je erlebt habe, bleibt es dabei. Und dieses Zeitlassen macht den Moment noch einzigartiger.

Sonntag, 28. August 2016

Welcher Teil von mir bleibt?

Wenn ich in den Spiegel schaue, schenke ich mir immer selbst ein Lächeln. Soll einen ja aufbauen. Und das tut es meistens auch.


Ich frage mich oft, wie anders wir alle aussehen würden, wenn wir unseren eigenen Charakter verkörpern würden. Und dann, wie mein eigener Charakter eigentlich ist.
Was mich ausmacht, aber was macht mich aus?

Meine Talente?
Meine Reaktionen?
Meine Vorlieben?
Meine Hobbies?

Vielleicht sind diese Gedanken stärker denn je, weil ich durch meine Verletzung meinen rechten Arm nicht wie immer benutzen kann.

Ist es also auch Teil meines Charakters, dass ich für mein Leben gerne zeichne? Male, Listen schreibe? 
Wie kann es dann sein, das diese Seite von mir, auf die ich mich oft genug reduziert habe, auf einen Schlag, oder eher, wie momentan, auf einen Knall, zeitweilig einfach verloren ist?
Scheint, als wäre ein Teil von mir nicht verfügbar.

Es ist aber doch komisch, wie die Art und Weise, mit der ich meinen Charakter scheinbar auslebe, so abhängig ist von meinem Körper. Hätten meine Talente jetzt woanders gelegen, nicht in meinem rechten Arm, sagen wir in meinem Bein; oder gibt es auch Menschen, für die kein Körperteil diese Aufgaben übernehmen kann? Wie verleihen die dann ihren Gedanken Ausdruck, oder fressen sie alles in sich hinein?

Angenommen, keines meiner Körperteile wäre mehr intakt, was würde mich dann noch ausmachen?

Freitag, 26. August 2016

"Die sagen, dass eine starke Persönlichkeit damit fertig wird"

Das kling so einfach, so logisch. Und ich habe nie behauptet, damit nicht fertig werden zu können. Natürlich lässt es mich nicht kalt, ganz im Gegenteil. Doch es regt mich vielmehr dazu an, mir Gedanken zu machen. Über das Leben, das, was davon schon vorbei ist, und alles, was hoffentlich noch kommen wird.
"Ich glaube, du bist eine starke Persönlichkeit. Ich weiß noch, wie schüchtern und zurückhaltend du früher warst" - ein lächeln umspielt ihre Lippen, "ich kenne dich ja lange genug. Ich finde es mutig, was du alles wagst, Dinge, für die ich mich nie aufrappeln könnte, das ist beeindruckend!"
Dabei dränge ich doch immer nur danach, Neues zu sehen.
"Ich glaube, du musst dich da auch manchmal aufraffen. Amerika, Thailand, und überhaupt, dass du dich immer wieder kopfüber in fremde Menschenmassen stürzt". Ich nicke, da hat sie wohl recht.
"Du bist da wirklich dran gewachsen. Ich frag mich immer, wie viel mehr du noch aufblühen kannst, bis wir uns dann das nächste mal sehen."

Wie schön, denke ich dann. Ich habe schon viel erlebt. Unglaublich viel, für mein neunzehnjähriges Leben. Doch wie schön, ab und zu solche Worte zu hören. Dafür hat man sie, die beste Freundin. Und wie sie einen manchmal besser zu kennen scheint, als man sich selbst kennt.
Es ist schade, wie selten man sich nur noch sieht - aber dann, wenn es doch mal wieder so weit ist, springen einem kleine Veränderungen ins Auge, die man alleine nie bemerkt hätte.

Was wir auch besprechen: Über die Gedanken.
Wie der kurze Moment, in dem es um Leben und Tod ging, mir die Augen geöffnet hat: Wie unglaublich kostbar das eine Leben ist, und wie viel Zeit wir vergeuden, mit Aktivitäten, mit Grübeleien, die uns keinen Spaß machen, uns nicht weiter bringen. Wir sollten jeden einzelnen Augenblick genießen, denn es kann schneller vorbei sein, als wir blinzeln können.

Ich denke, dass selbst diese starke Persönlichkeit es nicht schafft, das Geschehene zu vergessen. Was sie ausmacht, ist der Schluss, den sie daraus zieht. Und genau der bringt mich weiter.
Für mich hatte es also auch etwas Gutes.

Mittwoch, 24. August 2016

Bruchteile


Manchmal überrascht mich das Leben.

Ich blicke auf Momente, in denen ich die Arme über den Kopf hebe und das Gefühl nicht loswerde, fliegen zu können.
Auf Momente, in denen ich die Augen schließe und das kühle Salzwasser zwischen den Zehen spüre, das Gefühl neugewonnener Freundschaften, pulsierenden Glückes, umwerfender Freiheit.
Und dann blicke ich zurück auf Momente, die ich nicht verstehen kann, in denen eine kräftige Hand nach mir greift und mich nicht nur zurück auf den Boden holt, sondern mich ruckartig darin versinken lässt. Verblüffend, wie schnell das Eine dem Anderen den Platz räumen kann.

Wenn ich jetzt an diese Nacht zurückdenke, kommen mir die Tränen. Weil sie von Schmerz, Schock und Ungewissheit geprägt ist. Weil es mir unbegreiflich bleibt. Weil es mir vor Augen geführt hat, wie schnell alles vorbei sein kann, wie wir doch alle Sekunde um Sekunde mit den Zehenspitzen am Abgrund stehen, scheinbar verdrängen wir dabei, dass schon eine kurze, starke Windböe ausreichen könnte, uns hinab zu fegen.
Das geschieht dann im Bruchteil einer Sekunde. Man merkt es erst, wenn es schon zu spät ist. Und wenn man sich dann doch wieder fängt lässt einen der Gedanke nie wieder los, wie knapp man dem endgültigen Sturz entkommen ist.

Samstag, 9. Januar 2016

There was just a little moment of hesitation, a moment of sitting still, at the desk I stare at daily, I write to-do-lists on, about tasks I’ve never finished. I wrote plans on it, plans how I’d love to spend my life, and those plans are collected in a little folder that I’ve not opened ever since. How many pictures have been painted on here? Pictures that I hide between the pages of a large dictionary, pictures that might not ever be marvelled at by anyone. Stories, that happened to me or just happened in my head, have been typed on here, have been reread on here a thousand times, all hidden in files behind names that don’t tell what’s actually talked about. There have been letters written on this table, to people that mean a lot to me, pages and pages of simply thoughts and reports. How many once of schoolwork have been laying on here, until I cleared the stock once in a while. How many hours have I spent sitting in front of this desk. I can not tell. Hours of work, creativity, passion, depression, planning, thinking and just sitting. I’ve spend so much time just sitting here staring out of my window, not even looking at anything, being caught in my head. Sitting still happens sometimes. But how comes that this area, maybe one of the greatest areas of my life, turned into I spot where I just start hesitation recently. Not motivated to do anything, not even staring out the window. More and more I just sit here, unsure about what to do next, unsure about what I would even like to do at that very moment. And it hurts me inside. I don’t get how my life turned into a situation like this. It’s strange. I used to be the one to always find a way to entertain themselves, to do and not to not to, and now it’s like somebody cleared my head and my mind. And once I think about it, it’s also strange how much space and time such a simple desk can take away in my life.

Dienstag, 22. Dezember 2015

Veränderungen

Hallo meine Lieben!

Die Zeit fliegt. Dinge ändern sich. Werden klarer, erschließen sich. Erkenntnisse werden erzielt, Erfahrungen werden gemacht, Menschen werden getroffen und Freundschaften geschlossen. Erinnerungen werden diese Momente festhalten und speichern, Gutes wie Schlechtes. Gutes, Zeitpunkte vollkommenen Glücks, kleine Freundlichkeiten, liebe Gesten. Schlechtes, Geschehnisse, die verbannt werden wollen. Verdrängt sind viele, scheinbar vergessen. Doch trotzdem haben auch diese, schlechten, Dinge dazu beigesteuert, dass das Leben heute so ist wie es ist und kein bisschen anders.
Zeit kann nicht zurückgedreht werden. Tolle Tage können nicht ein zweites Mal erlebt, Entscheidungen nicht ein zweites Mal gefällt, erste Begegnungen nicht ein zweites Mal gemacht werden. Doch das ist gut so. Es gibt diesen Kick, diesen Reiz, sein Bestes zu geben, dauernd, immer. Klar funktioniert das nicht nonstop, sicherlich geht auch mal etwas schief, doch der Trick ist es, sich davon nicht unterkriegen zu lassen.
Ist es nicht ein unglaublich aufregender Gedanke, dass es noch so wahnsinnig viel zu entdecken, dass es noch so vieles zu erleben gibt, so vieles geschehen wird, an das man später lächelnd zurückdenkt?

Seit Juni bin ich nun schon wieder zurück, und ich kann sagen, dass das letzte Jahr mein Leben vollkommen verändert hat. Die selbe Person bin ich schon lange nicht mehr.
Ein solches Jahr schlägt ein und der Krater zieht Erdrisse mit sich, die noch lange in meine Zukunft hineinreichen werden.
Ich habe mir überlegt, euch viele meiner Erlebnisse dort nahezubringen. Nicht alles auf einmal, denn das ist beim besten Willen unmöglich. Nach und nach werde ich euch einige der Geschichten erzählen, von Momenten, die mein Leben geprägt haben.

Eines der wichtigsten Dinge, die ich gelernt habe, ist eines meiner größten Lebensmottos:

"Until it's your favorite place, it's a place you've never been."

Was bedeutet, dass man Neues einmal ausprobieren soll, unbekannte Orte besuchen soll, fremde Menschen kennenlernen soll, denn zu ihnen kann sich eine starke Bindung entwickeln, die das Leben ganz verändern kann.

Eure Lu

Samstag, 19. September 2015

Hallo meine Lieben!

Ich habe in den letzten Wochen einiges erlebt. Ich habe vieles davon mehrmals überdacht, habe an manchen Punkten innegehalten und mir vorgestellt, wie alles anders verlaufen wäre, hätte ich mich in bestimmten Situationen anders verhalten. Und mir wurde klar, dass es nicht einfach ist.
Es ist nicht einfach, man selbst zu sein, wenn man daran zweifeln muss, wer man ist, wenn man jede Tat überdenkt und nicht mehr weiß, ob man richtig oder falsch handelt.
Es ist nicht einfach, sich zu überwinden, Dinge zu tun, von denen man nicht weiß, wie sie die Zukunft beeinflussen können.
"Es ist nicht einfach", sagt man oft, sagt man, wenn man sich entscheiden muss, Entscheidungen, die für das Leben wichtig und einflussreich sind.
Doch jede noch so kleine Entscheidung kann alles verändern. Sei es, eine Person anzusprechen, mit der man danach Tolles erlebt. Sei es, eine Reise anzugehen, mit der man später viele unglaublich schöne Erinnerungen verbindet. Oder sei es nur der Entschluss, das neues Kleid zu tragen, statt der bequemen Jeans, für das man viele Komplimente bekommt.
Solche Situationen, in denen man sich entscheiden muss, begegnen uns oft auf dem Lebensweg. Was richtig ist, kann man nicht wissen, ehe man es ausprobiert hat. Manchmal gibt es auch kein Richtig oder Falsch. Man muss für sich selbst entscheiden.
Ich bin mir sicher, dass ich hier noch vielen solcher Situationen ins Auge blicken muss, und ich werde mein bestes geben, mich immer so zu entscheiden, dass ich später lächelnd an diese Zeit zurückdenken kann.

Liebe Grüße, eure Lu